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Morgan Stanley senkt Kursziel für Circle auf 38 US-Dollar – USDC gerät durch tokenisierte Alternativen unter Druck
Die Circle-Aktie verlor am Montag rund 6%, nachdem Morgan Stanley den Stablecoin-Emittenten auf "Underweight" herabgestuft und das Kursziel auf 38 US-Dollar gesenkt hatte. Das entspricht laut Originalbericht einer Kürzung um 64% gegenüber dem bisherigen Ziel von 106 US-Dollar. Die Bank bewertet damit nicht bloß Annahmen nach, sondern stellt die Ertragskraft des Geschäftsmodells grundsätzlicher infrage.
Im Zentrum der Analyse steht der US-Dollar-gebundene Stablecoin USDC. Morgan Stanley sieht strukturelle Gegenwinde, die über kurzfristige Volumenschwankungen hinausgehen. Als Gründe nennt die Bank drei Faktoren: eine nachlassende Dynamik beim USDC-Wachstum, zunehmenden Druck auf die Reserveerträge sowie eine stärkere Verlagerung hin zu transaktionsbasierten Erlösen mit geringeren Margen.
Die Marktkapitalisierung von USDC liegt weiterhin deutlich unter dem Höchststand von 2022. Zwar bleibt USDC im DeFi-Ökosystem eine zentrale Größe, zuletzt habe sich diese Dominanz laut Morgan Stanley aber nicht in entsprechend starkes Wachstum übersetzt. Zugleich rechnet die Bank mit weiter sinkenden Renditen auf die stark in US-Treasuries investierten Reserven. Damit würde ausgerechnet jene hochmargige Einnahmequelle schrumpfen, die die Ergebnisse zuvor gestützt hat. Transaktionsgebühren legen zwar zu, fallen in der Profitabilität jedoch weniger stark ins Gewicht.
Anders als Tether, das historisch stark von hohen Reserveerträgen profitierte und weniger von Handelsvolumen abhängig war, hängt Circles Weg zur Profitabilität stärker davon ab, USDC als breit genutzte Zahlungs- und Abwicklungsschiene zu etablieren. Dieses Narrativ begleite das Unternehmen seit Jahren, die Resultate blieben aus Sicht der Bank gemischt. Mit der Reife des Stablecoin-Markts nähmen tendenziell die Margen ab.
Zusätzlichen Druck sieht Morgan Stanley durch neue Konkurrenz, die nicht zwingend aus dem Stablecoin-Segment kommt. Tokenisierte Geldmarktfonds, tokenisierte Bankeinlagen sowie Projekte wie Open USD greifen Anwendungsfälle an, die bislang klassisch bei Stablecoins lagen. Wenn treasury-gestützte Token von Anbietern wie BlackRock oder Franklin Templeton On-Chain direkt eine Rendite bieten, sinkt der Anreiz, nicht verzinsliche USDC-Bestände in Trading-Wallets zu halten.
Jüngere Fortschritte bei der Tokenisierung untermauern diesen Trend: Dazu zählen unter anderem JPMorgans Live-Abwicklung mit Ondo sowie die Marke von mehr als 20 Milliarden US-Dollar bei On-Chain-Real-World-Assets. Institutionen bauten damit Abwicklungsinfrastruktur auf, die traditionelle Stablecoins in Teilen umgehen kann. Circles These, USDC werde zur Settlement-Schicht des Internets, treffe zunehmend auf eine fragmentierte Realität. Wenn ein zugelassener Fonds-Token dieselbe Abwicklungsfunktion erfüllen und gleichzeitig eine kleine Rendite ausschütten kann, wirkt das Nullzins-Stablecoin-Modell schnell überholt. Morgan Stanley stuft solche tokenisierten Alternativen als direkte Bedrohung für Circles Ökonomie ein – zumal die Infrastruktur nicht mehr theoretisch ist, sondern bereits live Milliarden abwickelt.
Hinzu kommt regulatorische Unsicherheit in den USA. Der Kurs der Gesetzgebung zu Stablecoins bleibt offen, was laut Morgan Stanley die Bewertungsperspektive für Circle belastet. Der politische Konflikt verschärft sich: Große Banken versuchen wenige Tage vor einer Senatsabstimmung, ein zentrales Krypto-Gesetz in ihrem Sinne zu verändern. Je nachdem, ob Regeln bankemittierte tokenisierte Einlagen begünstigen oder strengere Reserveanforderungen die Flexibilität von Circle einschränken, könnte das Erlösmodell des Unternehmens erneut unter Anpassungsdruck geraten.
Circle gilt als besonders regelkonformer und transparenter Emittent. Diese Positionierung mindert das Gesetzesrisiko jedoch nicht vollständig. Regulatorische Klarheit, auf die Circle seit Jahren drängt, könnte am Ende jenen Institutionen nützen, die ohnehin in tokenisierte Einlagen vordringen. Für Blockchain-basierte Zahlungen wäre das kein negatives Signal, für einen eigenständigen Stablecoin-Anbieter ohne Bankkonzern im Rücken jedoch schon.
Trotz der skeptischen Neubewertung gibt es aus Sicht des Marktes weiterhin Stärken: USDC ist im Ethereum-basierten DeFi weiterhin führend, und Partnerschaften mit Börsen verschaffen Circle Vorteile bei der Distribution. Zudem blieb USDC von Depegging-Schocks verschont, wie sie kleinere algorithmische Stablecoin-Modelle getroffen haben.
Die Kursreaktion auf die Morgan-Stanley-Notiz – ein Rückgang um rund 6% – deutet dennoch darauf hin, dass Investoren ein Umfeld stärker einpreisen, in dem Tether und mehrere verzinsliche Alternativen Circle von zwei Seiten unter Druck setzen. Offen bleibt, ob Circle schnell genug umsteuern kann, falls der Markt künftig keinen einzelnen dominanten Stablecoin mehr braucht. Sollte USDC zu einem von vielen Settlement-Token werden statt zum On-Chain-Dollarstandard, könnte das Kursziel von 38 US-Dollar eher den Beginn einer Neubewertung markieren als deren Ende.