Bitcoin fällt nach starken US-Inflationsdaten auf 21-Monats-Tief bei 58.115 US-Dollar
Bitcoin (BTC) rutschte am 25. Juni bis auf 58.115 US-Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit 21 Monaten. Auslöser war eine Serie überraschend robuster US-Konjunkturdaten, die die Erwartungen an baldige Zinssenkungen dämpften. Der vom US-Handelsministerium veröffentlichte PCE-Preisindex, das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank, beschleunigte sich auf 4,1% gegenüber dem Vorjahr und erreichte damit den höchsten Wert seit rund drei Jahren. Der Kern-PCE stieg auf 3,4%. Zudem wurde das BIP für das erste Quartal auf annualisiert 2,1% nach zuvor 1,6% nach oben revidiert. Die Kombination aus widerstandsfähigem Wachstum und erneut anziehender Inflation nimmt der Fed den wichtigsten Grund für eine Lockerung; an den Terminmärkten werden für 2026 inzwischen nahezu keine Zinssenkungen mehr eingepreist. Für ein nicht verzinsliches Asset wie Bitcoin bedeutet das zusätzlichen Druck.
Auch der ETF-Markt sendete ein schwaches Signal: US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten an einem Handelstag Nettoabflüsse von 469 Mio. US-Dollar, der größte Tagesabfluss seit Anfang Juni. Den größten Anteil hatten BlackRocks IBIT mit 239,3 Mio. US-Dollar und Fidelitys FBTC mit 120,8 Mio. US-Dollar. Die Abflüsse fielen zeitlich mit dem Rutsch unter die psychologisch wichtige Marke von 60.000 US-Dollar zusammen, dem schwächsten Niveau seit 2024. Im europäischen Handel setzte eine Erholung ein, BTC stieg wieder über 61.500 US-Dollar. Die Nettoabflüsse der vergangenen 30 Tage zählen laut Daten jedoch zu den schlechtesten Phasen überhaupt, was Erholungsversuche begrenzt und die Stimmung belastet.
Der Bruch unter 60.000 US-Dollar löste zudem eine abrupte Bereinigung im Derivatemarkt aus und verstärkte den bärischen Grundton. Innerhalb von 24 Stunden wurden laut Liquidationsdaten gehebelte Krypto-Positionen im Wert von mehr als 1 Mrd. US-Dollar zwangsweise glattgestellt; auf Bitcoin-Longs entfielen rund 319 Mio. US-Dollar. Weil überhebelte Long-Positionen in den fallenden Markt hinein verkauft werden mussten, verschärfte die Liquidationskaskade den Rückgang. Solche Zwangsentschuldungen, bei denen Börsen Positionen schließen, sobald Margenanforderungen nicht mehr erfüllt werden, beschleunigen Bewegungen häufig in beide Richtungen. Das koordinierte Verkaufen zeigte zudem, wie dünn die Spot-Nachfrage unter der Oberfläche geworden ist, während der Makro-Gegenwind zunimmt.
Die Schwäche griff auf den Gesamtmarkt über und drückte große Altcoins sowie kryptoaffine Aktien. Ethereum fiel um 3,1% auf etwa 1.610 US-Dollar und blieb damit klar unter der Marke von 2.000 US-Dollar, die im zweiten Quartal wiederholt nicht zurückerobert werden konnte. XRP sank um 3,1% auf 1,07 US-Dollar und näherte sich einem Rückfall unter 1 US-Dollar, erstmals seit Präsident Donald Trumps Wiederwahl 2024. Solana verlor 2,6% auf 67 US-Dollar, Dogecoin gab 4,6% auf 7,5 Cent nach und erreichte den tiefsten Stand seit Ende 2023. Das Muster ist bekannt: Steht Bitcoin unter anhaltendem Druck, folgt der Rest des Marktes meist.
Als zentraler Faktor gilt eine Umschichtung spekulativen Kapitals in KI-Aktien, die nahe Allzeithochs notieren. Der Speicherchip-Hersteller Micron Technology meldete Rekordwerte bei Quartalsumsatz, Bruttomarge und Gewinn, stellte für das nächste Quartal einen Umsatz von rund 50 Mrd. US-Dollar bei einer Marge von 86% in Aussicht und verwies auf 16 langfristige Lieferverträge. Die Aktie legte im vorbörslichen Handel um etwa 17% zu. Analysten zufolge fließt Geld, das früher in Bitcoin und Gold ging, zunehmend in KI-Infrastrukturwerte. Für 2026 sollen die vier größten Cloud-Anbieter zusammen über 700 Mrd. US-Dollar an Investitionsausgaben (Capex) einplanen. Gold rutschte ebenfalls unter 4.000 US-Dollar und unterstreicht, dass nicht verzinsliche Anlagen gegenüber KI-getriebenen Wachstumsstorys an Boden verlieren.
Zusätzlich rückt ein bitcoinspezifisches Risiko in den Fokus: der Finanzierungsdruck beim Unternehmenshalter Strategy (vormals MicroStrategy). Die variabel verzinsten, unbefristeten Vorzugsaktien des Unternehmens mit dem Ticker STRC fielen laut Unternehmensangaben auf ein Rekordtief von 80,26 US-Dollar und notieren damit rund 20% unter dem Nennwert von 100 US-Dollar. STRC ist ein zentraler Baustein des Finanzierungsmodells von Strategy und zahlt Investoren Dividenden, während das eingeworbene Kapital für BTC-Käufe genutzt wird. Der Abschlag zum Nennwert deutet darauf hin, dass der Markt die Fähigkeit des Unternehmens, diese Ausschüttungen dauerhaft zu bedienen, zunehmend hinterfragt. Der jährliche Aufwand für Vorzugsdividenden soll von rund 300 Mio. US-Dollar zu Beginn des Jahres 2026 auf etwa 1,2 Mrd. US-Dollar steigen, was neue Sorgen über möglichen Bilanzstress schürt.
Technisch sieht COINOTAG beim Widerstand bei 62.910 US-Dollar eine Bewertung von 73/100, gestützt durch das Zusammentreffen von Point of Control, der 20-Perioden-EMA und dem 0,236-Fibonacci-Retracement. Die Unterstützung bei 58.115 US-Dollar wird mit 78/100 bewertet, basierend auf dem Fibonacci-Level 0,000, dem Vortagestief und dem unteren Donchian-Band. Die Derivatepositionierung wirkt uneinheitlich: Die Funding Rate bei Perpetuals ist mit 0,0001% leicht negativ, das Open Interest liegt bei 11,74 Mrd. US-Dollar. Gleichzeitig signalisiert ein Long/Short-Account-Ratio von 2,41, dass 70,7% der Trader weiterhin long positioniert sind, eine überfüllte Wette, die anfällig für weitere Squeezes bleibt. Bei einem RSI von 30,7, einem bärischen MACD und einem Fear-&-Greed-Wert von 13 ("Extreme Fear") gilt: Ein klarer Bruch unter 58.115 US-Dollar würde den Bereich um 51.387 US-Dollar öffnen; erst eine Rückeroberung von 62.910 US-Dollar würde den Abwärtstrend neutralisieren.