USA beschlagnahmen 127.271 BTC: Größte Krypto-Einziehung des DOJ im Fall der kambodschanischen Prince Group
Die US-Regierung hat nach eigenen Angaben den bislang größten Bitcoin-Zugriff ihrer Geschichte veranlasst. Am 14. Oktober setzte das Office of Foreign Assets Control (OFAC) 146 Ziele auf die Sanktionsliste, die mit der Prince Group in Verbindung stehen sollen. Die USA stufen das Konglomerat als transnationale kriminelle Organisation ein. Parallel dazu erhob das Justizministerium (DOJ) Anklage gegen den mutmaßlichen Anführer: den 37-jährigen kambodschanischen Staatsbürger Chen Zhi (auch bekannt als Vincent). Vorgeworfen werden unter anderem Wire Fraud sowie Verschwörung zur Geldwäsche.
Im Zuge dessen reichte das DOJ eine zivilrechtliche Einziehungsforderung (civil forfeiture) über 127.271 BTC ein. Der Bestand wurde zum Zeitpunkt der Einreichung mit rund 14 bis 15 Mrd. US-Dollar bewertet und wäre damit die größte Kryptobeschlagnahme in der Geschichte des Ministeriums.
Nach Darstellung der US-Behörden soll die Prince Group in Kambodscha mindestens zehn Betrugsanlagen betrieben haben, die auf sogenannte "Pig-Butchering"-Modelle spezialisiert waren: Täter bauen über Wochen oder Monate scheinbar romantische oder investitionsbezogene Beziehungen auf, gewinnen das Vertrauen der Opfer und lenken sie anschließend auf betrügerische Krypto-Plattformen. Das DOJ berichtet zudem, dass viele Beschäftigte in diesen Anlagen Opfer von Menschenhandel gewesen seien, versklavt und zur Durchführung der Betrugsoperationen gezwungen.
Die mutmaßlich erbeuteten Gelder seien über ein weit verzweigtes Netzwerk von Briefkastenfirmen in Asien gewaschen worden. Die Sanktionen erfolgten auf Basis der Executive Order 13581, die transnationale kriminelle Organisationen und deren Unterstützungsnetzwerke adressiert. Auch das Vereinigte Königreich koordinierte eigene Maßnahmen im Zusammenhang mit der US-Operation.
Die Dimension der geforderten Einziehung ist erheblich: 127.271 BTC entsprechen grob rund 0,6% des gesamten Bitcoin-Angebots. Analysten zufolge blieb die unmittelbare Marktreaktion dennoch begrenzt; Bitcoin brach nach den Meldungen nicht ein, der breitere Token-Markt zeigte sich weitgehend stabil.
Weitere Folgemaßnahmen sind bereits bekannt geworden. Südkorea verhängte im November 2025 eigene Sanktionen gegen mit der Prince Group verknüpfte Einheiten. Weltweit sollen Beschlagnahmen über mehrere Jurisdiktionen hinweg insgesamt nahezu 700 Mio. US-Dollar erreicht haben. Chen Zhi sei Berichten zufolge bis Anfang 2026 nach China ausgeliefert worden; die Prince Group bestreitet die Vorwürfe.
Für Börsen und Krypto-Unternehmen mit Aktivitäten in Südostasien verändern die OFAC-Sanktionen die Compliance-Lage spürbar. Wer mit sanktionierten Wallets oder Gegenparteien in Berührung kommt, riskiert harte Konsequenzen bis hin zum Ausschluss vom US-Finanzsystem.