Krypto-Sicherheitsreport Juli 2026: 97 Mio. US-Dollar Schaden – Angriffe auf Cross-Chain-Bridges nehmen stark zu
KI-Marktzusammenfassung
Die Krypto-Sicherheitsverluste im Juli 2026 erreichten ca. 97 Mio. USD (+18,7% m/m), wobei Cross-Chain-Bridge-Vorfälle 35 Mio. USD überstiegen und sich die Angriffsvektoren in Richtung Offchain-Infrastruktur, Schlüsselkompromittierung und Governance-Manipulation verlagerten. Ereignisse mit hoher Sichtbarkeit (AFX Trade, Ostium, BonkDAO, Verus, B² Network) unterstreichen systemische operative und Governance-Risiken jenseits von Smart-Contract-Bugs. Kurzfristig kann dies die DeFi- und Bridge-Aktivität dämpfen, Risikoprämien erhöhen und die Prüfung von Schlüsselmanagement und Offchain-Kontrollen verschärfen.
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Der monatliche Security-Incident-Überblick von Zero Hour Tech liegt vor. Auswertungen mehrerer Blockchain-Sicherheitsmonitoring-Plattformen zeigen: Im Juli 2026 beschleunigte sich der Wechsel der Angriffsvektoren, offchain Infrastruktur rückte ins Zentrum. Die Gesamtschäden durch Sicherheitsvorfälle beliefen sich auf rund 97 Mio. US-Dollar. Davon entfielen etwa 94 Mio. US-Dollar auf Hackerangriffe und Smart-Contract-bezogene Vorfälle, weitere 3 Mio. US-Dollar auf Phishing.
Insgesamt wurden mehr als 14 protokollbezogene Sicherheitsereignisse registriert – deutlich weniger als 67 im Juni. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Schaden pro Vorfall spürbar. Gegenüber Juni (81,73 Mio. US-Dollar) legten die Verluste im Juli um rund 18,7% zu.
Cross-Chain-Bridges blieben das wichtigste Ziel. Mehrere Attacken – unter anderem auf AFX Trade, Verus und B² Network – folgten innerhalb weniger Stunden, zusammen mit Verlusten von über 35 Mio. US-Dollar. Auffällig ist die Verschiebung weg von klassischen Code-Schwachstellen hin zu nicht codebasierten Methoden wie der Kompromittierung offchain Infrastruktur, dem Abfluss von Signaturschlüsseln und der Manipulation von Governance-Abstimmungen.
Sieben typische Hackerangriffe
• Ostium: Kompromittierung von Offchain-Oracle-Rechten
Zeitpunkt: 15. Juli
Schaden: ca. 23,75 Mio. US-Dollar
Details: Ostium, ein RWA-Perpetual-Trading-Protokoll im Arbitrum-Ökosystem, wurde angegriffen. Der Angreifer verschaffte sich Zugriff auf das offchain Preissigniersystem, fälschte BTC/USD-Preisdaten, drückte den BTC-Preis auf etwa 5.000 US-Dollar und entnahm durch zyklisches Öffnen und Schließen von Positionen rund 23,75 Mio. USDC aus dem OLP-Liquiditätspool. Das Team erklärte, weder eine Smart-Contract-Schwachstelle noch ein kompromittierter Governance-Multisig seien Ursache gewesen, sondern eine Verletzung der offchain Preis-Signing-Infrastruktur. Nutzer-Margins blieben unberührt, der Handel wurde am 23. Juli wieder aufgenommen.
• AFX Trade: Angriff durch kompromittierten Verifikationsschlüssel der Cross-Chain-Bridge
Zeitpunkt: 22. Juli
Schaden: ca. 24,15 Mio. US-Dollar
Details: Die Cross-Chain-Bridge von AFX Trade, einer dezentralen Perpetual-Futures-Börse im Arbitrum-Ökosystem, wurde kompromittiert. Der Angreifer erlangte Zugriff auf den privaten Signaturschlüssel der Validator-Nodes und autorisierte damit Auszahlungen. Da der Smart Contract Signaturen ordnungsgemäß prüfte und Mittel wie vorgesehen freigab, lag keine Schwachstelle auf Contract-Ebene vor. Rund 24,15 Mio. USDC wurden von Arbitrum nach Ethereum gebrückt und zu einem Durchschnittspreis von 1.937 US-Dollar in 12.467,5 ETH getauscht, anschließend in einer Wallet konsolidiert. Die native Arbitrum-Bridge blieb unbetroffen. AFX setzte die kompromittierte Bridge aus und bot dem Angreifer eine 30%-Bounty zur Rückführung der Mittel an.
• BonkDAO: Manipulation der Governance-Abstimmung durch Ausnutzung schwacher Zugriffskontrollen
Zeitpunkt: 6. Juli
Schaden: ca. 20 Mio. US-Dollar
Details: Der Angreifer gab etwa 4 Mio. US-Dollar aus, um ausreichend BONK-Token zu erwerben, und nutzte den Mechanismus der Solana-Realms-Governance aus, wonach Vorschläge bereits bei einem Voting-Quorum von 1% durchgehen können. Es wurde ein bösartiger Vorschlag eingereicht und erfolgreich verabschiedet. Nach der Zustimmung am 6. Juli transferierte der Angreifer rund 44,26 Mrd. BONK (etwa 20 Mio. US-Dollar) aus der BonkDAO-Treasury. Laut Darstellung wurde keine Smart-Contract-Lücke ausgenutzt; die Schwäche lag in den Governance-Regeln. Immunefi wertete den Fall als klassisches Muster schwerer Verlustereignisse 2026: Mittelabflüsse nicht wegen Contract-Fehlern, sondern über Governance-Abstimmungen und fehlerhafte Regelgestaltung.
• Bonzo Lend: Oracle-Manipulation
Zeitpunkt: 11. Juli
Schaden: ca. 9,05 Mio. US-Dollar
Details: Bonzo Lend, das größte Lending-Protokoll im Hedera-Ökosystem, wurde durch eine Oracle-Manipulation getroffen. Der Angreifer nutzte eine Schwachstelle in der Signaturvalidierung bei Supra, einem Drittanbieter-Oracle, um manipulierte Preisdaten für den SAUCE-Token einzuspeisen. Durch künstlich aufgeblähte Sicherheiten konnten Vermögenswerte deutlich oberhalb des realen Collateral-Werts geliehen werden, bevor das Oracle die Daten korrigierte. Ergebnis: rund 9,05 Mio. US-Dollar Verlust. Das Protokoll stoppte sämtliche Aktivitäten; Bonzo Labs und die Bonzo Finance Foundation koordinieren Recovery und Remediation.
• Verus: Zweiter Angriff auf die Ethereum-Cross-Chain-Bridge
Zeitpunkt: 23. Juli
Schaden: ca. 7,55 Mio. US-Dollar
Details: Die Verus–Ethereum-Bridge wurde erneut angegriffen, mit Verlusten von etwa 7,55 Mio. US-Dollar. Genutzt wurde derselbe Contract-Pfad und dieselbe Schwachstellenklasse wie beim Angriff im Mai. Der Vorfall unterstreicht, dass ungepatchte Lücken und erneut eingezahlte Mittel Systeme für Folgeangriffe offen lassen. Die Schwachstelle wird als Umgehung der Bridge-Verifikation eingeordnet; die Abflüsse erfolgten über denselben Einstiegspunkt.
• B² Network: Missbrauch von Upgrade-Rechten im Staking-Contract
Zeitpunkt: 23. Juli
Schaden: ca. 3,86 Mio. US-Dollar
Details: Ein Angreifer übernahm die Upgrade-Authority des Staking-Contracts von B² Network auf der BNB Chain. Abhanden kamen rund 8,591 Mio. B2-Token (etwa 3,86 Mio. US-Dollar). Die Token wurden in 5.409 WBNB (rund 3,11 Mio. US-Dollar) getauscht und nach Ethereum gebrückt. Aktuell wird NEAR Intents genutzt, um die Mittel Richtung Zcash zu transferieren. Der Fall zeigt: Kompromittierte Schlüssel und Berechtigungen sind weiterhin Haupttreiber großer Krypto-Diebstähle – nicht die Kryptografie selbst. Das Team setzte Staking aus und kontaktierte den Angreifer onchain. Es wurde zugesagt, bei Rückgabe von mindestens 10% innerhalb von 24 Stunden keine rechtlichen Schritte einzuleiten.
• Summer.fi: Konfigurationsschwachstelle in Vault
Zeitpunkt: 6. Juli
Schaden: ca. 6,04 Mio. US-Dollar
Details: Der FleetCommander-Vault des Ethereum-DeFi-Yield-Protokolls Summer.fi wurde kompromittiert. Ursache war eine Abweichung in der totalAssets()-Berechnung: Strategie-Komponenten, die mit Deposit-Caps versehen und zur Deaktivierung vorgesehen waren, waren zeitlich noch nicht aus dem aktiven Pool entfernt, flossen aber weiter in die Berechnung ein. Angreifer nutzten die Diskrepanz, um Assets aufzubauen und überhöhte Erträge abzuheben. Summer.fi, früher Oasis.app, startete 2019 für MakerDAO-Nutzer und wechselte Anfang 2026 zu einer KI-getriebenen, automatisierten Yield-Optimierungs-Schicht.
Rug Pull / Phishing: vier typische Vorfälle
(1) 9. Juli: Opfer mit Adressen beginnend mit 0x8c94 unterzeichneten auf Ethereum eine Phishing-Token-Approval. Verlust: 999.999 USDT.
(2) 24. Juli: Opfer mit Adressen beginnend mit 0x3e1b verloren 340.463 US-Dollar durch ein Phishing-Multicall auf Ethereum.
Timeline:
06:51:47 UTC — Signatur einer multicall() im alphaUSDCDeltaV2-Token-Contract, enthalten war eine unbegrenzte approve()-Freigabe.
06:52:23 UTC — 36 Sekunden später wurden 332.787 alphaUSDCDeltaV2 (~340.000 US-Dollar) via transferFrom abgezogen.
(3) Phishing über gefälschte SecondFi-Mobile-App
Schaden: ca. 14,2 Mio. US-Dollar
Vorfalltyp: Am 12. Juli meldete eine globale Krypto-Sicherheitsmonitoring-Plattform drei hochkritische Angriffe auf Krypto-Assets. Einer davon lief über gefälschte Mobile-Apps, die SecondFi imitierten, mit Fokus auf Entwickler. Alle drei Angriffe ereigneten sich innerhalb von 24 Stunden und betrafen Entwickler, Retail-Nutzer und vermögende "Whales" – ein Hinweis auf systemische Schwachstellen im gesamten Web3-Ökosystem.
(4) Ledger-Briefpost-Phishing (physische Schreiben)
Schaden: ca. 960.000 US-Dollar
Vorfalltyp: Zwischen dem 3. und 7. Juli (Peak-Phase) verschickte eine Betrügergruppe gefälschte "offizielle" Briefe von Ledger an Nutzeradressen. Die Schreiben enthielten das Ledger-Logo, eine CTO-Signatur und Hinweise auf ein Post-Quantum-Kryptografie-Sicherheitsupdate. Nutzer wurden aufgefordert, einen QR-Code zu scannen, der zu einer sehr überzeugenden Phishing-Seite führte. Dort gaben Betroffene ihre Recovery Phrases ein, woraufhin Wallet-Assets gestohlen wurden. Die Polizei von Queensland bestätigte, dass allein in diesem Zeitraum gemeldete Verluste mehr als 1,47 Mio. AUD überstiegen. Behörden warnen: Ledger wird niemals per Post oder Telefon nach der Recovery Phrase fragen.
Fazit
Die Sicherheitslage im Juli 2026 lässt sich mit drei Schlagworten zusammenfassen: Verschiebung der Angriffsvektoren, anhaltende Kompromittierungen von Cross-Chain-Bridges, steigende Governance-Risiken. Die Angriffsfläche verlagert sich spürbar hin zu nicht codebasierten Methoden – insbesondere offchain Infrastrukturzugriffe, Leaks von Signaturschlüsseln und Governance-Vote-Manipulationen.
Der Fall AFX Trade zeigt, wie 24,15 Mio. US-Dollar allein über einen erlangten Signaturschlüssel abfließen konnten. Ostium macht deutlich, dass offchain Zugriffskontrollen häufig nicht das Sicherheitsniveau onchain Multisig-Strukturen erreichen. BonkDAO unterstreicht, dass Governance-Mechanismen selbst zum Einfallstor werden können.
Bei Phishing war im Juli ein neues Muster mehrfach zu beobachten: "Übernahme von High-Profile-Accounts + Bewerbung von Fake-Tokens" – Markenvertrauen wird direkt in Betrug umgemünzt. Autorisierungsbasiertes Phishing entwickelt sich von Einzelfällen zu einem wiederholbaren, automatisierten Diebstahlsprozess.
Empfehlungen des Zero Time Technology Security Teams
• Privatpersonen: Vorsicht bei plötzlich auftauchenden "offiziellen" Token-Promotions auf Plattform X. Keine unbekannten Links anklicken oder Signaturen leisten. Wallet-Autorisierungen regelmäßig widerrufen. Für hochpreisige Assets getrennte Wallets zur Risikotrennung nutzen.
• Projektteams: Zugriffskontrollen offchain Infrastruktur auf das Sicherheitsniveau onchain Multisig anheben. Validator-Keys mit Multisig plus Hardware-Signing absichern. Governance-Proposals mit höheren Quoren und Time-Locks versehen. 24/7-Monitoring und Circuit-Breaker-Mechanismen etablieren. Audits müssen die gesamte Kette aus Key-Storage, Berechtigungen und Governance-Regeln abdecken.
• Branche: Branchenstandards für Bridge-Key-Management etablieren. Standardisierung von Security-Audits für offchain Infrastruktur vorantreiben. Austausch von APT-Threat-Intelligence und Aufbau von Blacklist-Datenbanken stärken. Projekten wird empfohlen, Bug-Bounty-Programme umzusetzen.