Indiens Steuerbehörde verschickt 44.000 Krypto-Steuerhinweise und entdeckt 104 Mio. US-Dollar nicht deklarierte Einkünfte
Indiens Central Board of Direct Taxes (CBDT) erhöht den Druck auf Krypto-Anleger: Nach Angaben der Behörde wurden mehr als 44.000 Mitteilungen an Steuerpflichtige verschickt, die mit virtuellen digitalen Vermögenswerten (VDA) gehandelt oder investiert, diese Aktivitäten aber nicht in ihrer Einkommensteuererklärung angegeben haben.
Parallel dazu stellte die Steuerverwaltung im Zuge von Durchsuchungs- und Beschlagnahmeaktionen sowie Datenanalysen rund 888,82 Mrd. Rupien (etwa 104 Mio. US-Dollar) an nicht offengelegten VDA-bezogenen Einkünften fest.
Die Maßnahme ist Teil des CBDT-Programms "NUDGE" (Non-Intrusive Usage of Data to Guide and Enable). Grundlage ist die Verknüpfung von Transaktionsdaten, die direkt von Krypto-Börsen stammen. Seit Indien unter Section 194S eine Quellensteuer (Tax Deducted at Source, TDS) von 1% auf alle VDA-Übertragungen vorschreibt, hinterlässt jede Transaktion auf einer regelkonformen Plattform eine Datenspur. Diese fließt in das Annual Information Statement ein und verschafft den Steuerbehörden einen weitgehend vollständigen Überblick über die Finanzaktivitäten von Steuerzahlern.
Die Überprüfung betrifft nicht nur aktuelle Vorgänge. Für Transaktionen bis zurück zum Finanzjahr (FY) 2021"22 wurden Neubewertungsmitteilungen nach Section 148A verschickt. Damit nimmt die CBDT auch frühere Handelsjahre ins Visier, um Meldelücken zu schließen.
Der Steuerfokus ist Teil einer breiteren Durchsetzungskette. Die indische Enforcement Directorate führt parallel Ermittlungen zu VDA-bezogener Geldwäsche. Dabei wurden nach Behördenangaben Vermögenswerte in Höhe von 4.189,89 Mrd. Rupien an zugeordneten Erlösen gesichert.
Die Grundlage für den aktuellen Kurs wurde mit dem Union Budget 2022 gelegt. Seit dem Finanzjahr 2022"23 gilt eine pauschale Steuer von 30% auf Gewinne aus VDA-Transaktionen. Eine Verrechnung von Verlusten ist nicht zulässig, profitable Trades können also nicht durch negative Ergebnisse aus anderen VDA-Geschäften gemindert werden. In Kombination mit der 1%-TDS zählt Indiens Krypto-Steuerregime zu den weltweit strengeren Modellen. Die Quellensteuer erfüllt dabei zwei Zwecke: Sie bringt frühzeitig Einnahmen und liefert zugleich die Datenbasis, auf der Kampagnen wie die aktuelle aufbauen.
Für Anleger bedeutet das: Die Phase, in der VDA-Gewinne als schwer nachverfolgbar galten, ist aus Sicht der Behörden vorbei. Mit mehr als 44.000 Hinweisen in einer einzigen Welle signalisiert die CBDT, dass sie über die Instrumente und die Bereitschaft verfügt, Abweichungen in großem Umfang zu verfolgen. Wer seine VDA-Aktivitäten ordnungsgemäß erklärt und die 30% Steuer bezahlt, dürfte kaum Veränderungen spüren. Für Steuerpflichtige, die Einnahmen zu niedrig angesetzt oder gar nicht gemeldet haben, steigen die Risiken: Nachveranlagungen, Strafzahlungen und in schweren Fällen auch strafrechtliche Konsequenzen.