Google verklagt mutmaßliches chinesisches Cybercrime-Netzwerk wegen Gemini-gestützter Phishing-Angriffe auf Krypto-Nutzer
Google hat am 12. Juni Klage gegen ein mutmaßliches chinesisches Cybercrime-Netzwerk eingereicht, das unter dem Namen Outsider Enterprise agieren soll. Der Konzern wirft der Gruppe vor, Googles KI-Modell Gemini eingesetzt zu haben, um groß angelegte SMS-Phishing-Kampagnen zu automatisieren. Dabei seien legitime Dienste imitiert und von Hunderttausenden Betroffenen Finanzzugangsdaten abgegriffen worden.
Aus den Gerichtsunterlagen geht hervor, dass die Beklagten Gemini genutzt haben sollen, um Code sowie Website-Templates für täuschend echte Phishing-Seiten zu erstellen, die unter anderem Telekommunikations-Portale und weitere Services nachahmten. Nach Angaben des FBI wurden in Dutzenden Ländern mehr als 8.000 Phishing-Websites aufgesetzt. Google berichtet, in dem zweiwöchigen Zeitraum bis zum 1. Juni rund 55.000 Meldungen zu verdächtigen Nachrichten in Google Messages erhalten zu haben; viele davon stünden mutmaßlich im Zusammenhang mit Outsider Enterprise.
Die Akten beziffern den Schaden seit Juli 2023 auf rund 1,9 Milliarden US-Dollar. Demnach sollen etwa 3,87 Millionen Kreditkartennummern entwendet worden sein.
Im Fokus standen laut Darstellung nicht nur Karten- und Login-Daten. Ziel seien auch Kryptowallets sowie Zugangsdaten zu Krypto-Börsen gewesen. Betrüger nehmen digitale Vermögenswerte zunehmend ins Visier, da Betroffene oft weniger Möglichkeiten zur Wiederherstellung haben als Kunden im klassischen Bankensystem. Für den Kryptomarkt unterstreichen die Vorfälle die anhaltenden Schwachstellen beim Schutz von Zugangsdaten und den Bedarf an robusteren Verwahr- und Sicherheitspraktiken, etwa Hardware-Wallets und starker Multi-Faktor-Authentifizierung.
Die Klage fällt in eine Phase stark steigender, KI-gestützter Betrugsfälle in den USA. Das FBI registrierte 2025 insgesamt 1.008.597 Anzeigen zu Internetkriminalität. Krypto-bezogene Fälle waren mit 181.565 Meldungen die größte Einzelkategorie und verursachten Schäden von rund 11 Milliarden US-Dollar. Erstmals führte das Internet Crime Complaint Center (IC3) des FBI 2025 zudem einen eigenen Abschnitt zu KI-Betrug: 22.364 Beschwerden mit Kosten von nahezu 893 Millionen US-Dollar. Das FBI-Programm Operation Level Up (Start 2024) identifizierte mehr als 8.000 Opfer von Krypto-Betrug und half nach Behördenangaben, potenzielle Verluste von über 500 Millionen US-Dollar zu verhindern.
Google erklärte, man wolle die zentralen Software-Entwickler hinter der Operation "dauerhaft zerschlagen". Ein Erfolg vor Gericht könnte einen bedeutsamen Präzedenzfall schaffen, um Betreiber und Entwickler für die Instrumentalisierung von KI-Tools juristisch stärker in die Verantwortung zu nehmen. Der Fall verstärkt zugleich Warnungen aus Forschung und Industrie, dass auch leistungsfähige KI-Modelle für Betrug missbraucht werden können — ein Thema, das an Dringlichkeit gewinnt, während große Tech-Konzerne, darunter Apple, KI-Funktionen in Verbraucherprodukte integrieren.
Für Krypto-Anleger ist die Kernaussage klar: Generative KI erhöht Reichweite und Professionalität von Phishing, Krypto-Inhaber bleiben ein Hauptziel. Der Druck auf Plattformen, Börsen und KI-Anbieter, Abwehrmaßnahmen zu stärken, dürfte zunehmen; ebenso auf Regulierer und Strafverfolger, grenzüberschreitende Zerschlagungen voranzutreiben. Bis dahin bleiben Basisschutzmaßnahmen wie Hardware-Wallets, starke MFA und Skepsis gegenüber unaufgeforderten SMS-Links entscheidend.