Galaxy: Coldcard-RNG-Fehler kostet mindestens 1.596 BTC – Schäden könnten auf rund 130 Mio. US-Dollar steigen
KI-Marktzusammenfassung
Galaxy Research schätzt, dass der Coldcard-RNG-Firmware-Fehler den Diebstahl von mindestens 1.596 BTC ermöglicht hat, wobei eine vermutete vierte Welle die Verluste potenziell auf ~2.055 BTC erhöhen könnte. Die Schwachstelle geht auf eine deterministische Seed-Generierung bei bestimmten Firmware-Versionen zurück, untergräbt das Vertrauen in Hardware-Wallets und erhöht die kurzfristige Wahrnehmung von Verwahrrisiken für Bitcoin-Inhaber. Da ~90% der gestohlenen BTC weiterhin unbewegt sind und Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet wurden, werden die Märkte auf Coin-Bewegungen und weitere Exploit-Versuche achten.
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Galaxy Research beziffert die Verluste durch eine Schwachstelle in Coldcard-Hardware-Wallets inzwischen auf mindestens 1.596 BTC. Sollte sich eine vermutete vierte Diebstahlwelle bestätigen, könnte der Gesamtschaden auf etwa 2.055 BTC anwachsen – umgerechnet rund 130 Mio. US-Dollar.
Galaxy teilte auf X mit, man habe in drei bestätigten Angriffswellen insgesamt 1.596 BTC nachvollzogen, die von rund 7.300 Adressen abgezogen wurden. Hinzu kommen 14 kleinere, verwandte Vorfälle. Eine mögliche vierte Welle wird vorerst nicht in die bestätigte Summe eingerechnet, bis Betroffenenmeldungen die On-Chain-Signale stützen. Würde auch diese Aktivität dem gleichen Exploit zugerechnet, läge die Gesamtsumme bei etwa 2.055 BTC.
So kommt Galaxy auf die Zahlen
Galaxy verweist auf ein eigenes On-Chain-Mapping, das die 1.596 BTC den drei bestätigten Wellen zuordnet. Eine frühere, breiter angelegte Auswertung der Blockchain hatte die Bewegung über vier Wellen hinweg auf rund 1.815,75 BTC geschätzt. Inzwischen hat das Team die bestätigte Zahl präzisiert, behält aber die größere, noch nicht verifizierte Größenordnung im Blick, die mit der vermuteten vierten Welle zusammenhängt.
Auf die potenzielle vierte Welle stießen die Analysten am 3. August, nachdem sie Transaktionsmuster entdeckt hatten, die den früheren Angriffen ähneln. Für diese vermutete Welle nennt Galaxy aktuell eine laufende Schätzung von etwa 448,7 BTC aus 709 möglichen Opferadressen. Gleichzeitig betont das Unternehmen, dass sich allein auf Basis von Blockchain-Daten nicht jeder Einzelfall belegen lasse – ebenso wenig, ob alle Abflüsse auf einen einzelnen Täter zurückgehen. Die beobachtete Aktivität deute jedoch darauf hin, dass die vermutete vierte Welle „zu einem wesentlichen Teil" von einem Angreifer geprägt sei; Galaxy spricht von mittel bis hoher Sicherheit, wartet aber auf direkte Bestätigungen.
Worum es bei der Schwachstelle geht
Coinkite, der Hersteller der Coldcard-Geräte, hatte den Fehler in der vergangenen Woche offengelegt und auf eine Firmware-Änderung aus März 2021 zurückgeführt. Bei der Integration einer neuen Kryptografie-Bibliothek sei die Seed-Generierung unbeabsichtigt auf einen deterministischen Pseudozufallszahlengenerator von MicroPython zurückgefallen – statt auf den hardwaregestützten True-Random-Number-Generator (RNG) des Geräts. Da der Hardware-RNG an anderen Stellen der Firmware weiterhin auftauchte, sei der Wechsel der Entropiequelle bei internen Plausibilitätschecks nicht aufgefallen.
Unabhängige Prüfung
Auch das Bitcoin-Engineering- und Security-Team von Block habe die Firmware unabhängig geprüft und sei zum gleichen Ergebnis gekommen: In der verwundbaren Version wurde für die Seed-Erstellung der deterministische MicroPython-Fallback genutzt, nicht der STM32-Hardware-RNG.
Coinkite schätzt, dass die effektive Entropie betroffener Geräte deutlich unter dem Zielwert liegt: teils etwa 40 Bit bei bestimmten Mk2/Mk3-Einheiten sowie rund 72 Bit bei verwundbaren Mk4/Mk5-Modellen und Coldcard Q – statt der vorgesehenen 128 Bit.
Angriffsverhalten und Stand der Untersuchung
Laut Galaxy wurden die entwendeten Bestände häufig auf viele neu erzeugte Adressen verteilt, anstatt in einer einzigen Sammel-Wallet zu landen. Teilweise seien die Mittel später über Transaktionen im „zweiten Hop" weitergeleitet worden, was die Nachverfolgung erschwert.
Während der vermuteten vierten Welle beobachtete Galaxy einen sprunghaften Anstieg auf etwa 13,8 Wallet-Sweeps pro Bitcoin-Block, verglichen mit rund 0,3 Sweeps pro Block zuvor. Rund 90% der gestohlenen BTC seien On-Chain bislang unangetastet; zudem hätten sich die Coins aus den ersten drei bestätigten Wellen seit dem Diebstahl nicht mehr bewegt. Das verschafft Ermittlern Zeit, Bewegungen zu überwachen und zu reagieren.
Galaxy arbeitet nach eigenen Angaben mit US-Bundesbehörden, Krypto-Börsen und Cyber-Investigation-Teams zusammen und teilt bestätigte Täter- und Opferadressen, während die Analyse ausgeweitet wird. Das Unternehmen warnt, dass weitere Angreifer versuchen könnten, die gleiche Schwachstelle auszunutzen, solange betroffene Wallets noch in Gebrauch sind. Deshalb sei es entscheidend, von Angreifern kontrollierte Adressen zu identifizieren, damit Börsen und Behörden beim Anlaufen von Abflüssen handeln können.
Empfehlungen für betroffene Nutzer
Galaxy und Coinkite raten Coldcard-Nutzern, Guthaben aus Wallets zu verlagern, die mit verwundbarer Firmware erstellt wurden, und neue, sichere Adressen zu verwenden. Neue Seed-Phrasen sollten erst nach Installation der gepatchten Firmware generiert werden.
Coinkite hat nach eigenen Angaben Notfall-Updates für alle betroffenen Modelle veröffentlicht, darunter v4.2.0 für Mk2/Mk3, v5.6.0 für Mk4/Mk5 sowie v1.5.0Q für Coldcard Q, und erklärt, verbleibende Bestände mit der verwundbaren Firmware vernichtet zu haben.
Wichtige Einschränkungen von Coinkite
Das Update schützt nur Wallets, die erst nach dem Fix angelegt werden. Bereits zuvor erzeugte Seeds bleiben kompromittiert und müssen ersetzt werden. Coinkite empfiehlt, auf einem gepatchten Gerät einen komplett neuen Seed zu generieren, eine Empfangsadresse zu verifizieren, eine kleine Testtransaktion zu senden und erst nach erfolgreichem Test den Gesamtbetrag zu übertragen.
Wallets, die mit mindestens 50 fairen Würfelwürfen (Private Dice Rolls) erstellt wurden, seien durch dieses RNG-Problem allein nicht angreifbar. Eine starke BIP39-Passphrase biete zusätzlichen Schutz – trotzdem rät Coinkite zur Migration, da das ursprüngliche Seed-Material weiterhin schwach bleibt.
Weitere Hinweise zur möglichen Wiederherstellung
Galaxy hatte zuvor darauf hingewiesen, dass Nutzer bei einer noch unbestätigten Diebstahl-Transaktion unter Umständen ein sehr enges Zeitfenster haben, um sie via Replace-by-Fee (RBF) zu ersetzen. Das gilt nur, solange die ursprüngliche Transaktion noch nicht gemined wurde, und bietet keine Garantie auf Rückholung.
Fazit
Der Vorfall zeigt, wie stark Firmware-Fehler die Sicherheit von Hardware-Wallets untergraben können. Coldcard-Besitzer sollten ihre Firmware prüfen, Seeds aus verwundbaren Versionen als kompromittiert betrachten und Guthaben erst nach Einspielen der Coinkite-Fixes sowie unter Einhaltung der empfohlenen Migrationsschritte verlagern. Galaxy setzt die On-Chain-Zuordnung fort und kooperiert mit Behörden, um Angreiferadressen zu verfolgen und weitere Verluste zu begrenzen.