Coldcard-Firmwarefehler ermöglicht Bitcoin-Diebstahl: Bis zu 80 Mio. US-Dollar in 30 Minuten abgezogen

KI-Marktzusammenfassung
Eine seit langem bestehende Coldcard-Firmware-RNG-Regression hat Berichten zufolge die Seed-Entropie verringert und damit eine schnelle Wiederherstellung von Schlüsseln sowie koordinierte Diebstähle (Hunderte BTC in Minuten) ermöglicht. Der Vorfall untergräbt das Vertrauen in Hardware-Selbstverwahrung, zwingt betroffene Nutzer, Seeds zu rotieren und Gelder zu migrieren, und könnte kurzfristig zu Zuflüssen in Richtung Verwahrer/Börsen führen. Er wirft zudem branchenweite Bedenken hinsichtlich Audits und Supply-Chain-Assurance auf, die die allgemeine Krypto-Risikostimmung belasten können.
Einflussstufe
● Hoch
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Über Jahre hinweg hat ein Teil der Coldcard-Hardware-Wallets Bitcoin-Schlüssel mit deutlich zu geringer Zufälligkeit erzeugt – mit der kryptografischen Stabilität eines wackligen Vorhängeschlosses. Auslöser war ein Fehler, der im Zuge einer Firmware-Neufassung im März 2021 mit Version 4.0.1 eingeführt wurde: Statt des hardwarebasierten Zufallszahlengenerators (RNG) setzte die Software standardmäßig auf einen softwarebasierten Pseudozufallszahlengenerator (PRNG). Seed-Phrases wirkten weiterhin "normal", ließen sich in Wahrheit aber wesentlich leichter knacken als erwartet. Angreifer erkannten die Schwachstelle nach Angaben aus dem Umfeld Ende Juli 2026 und führten koordinierte Wallet-"Sweeps" durch. Dabei wurden in weniger als 30 Minuten rund 594 BTC – umgerechnet etwa 38 Mio. US-Dollar – aus ungefähr 500 Wallets abgezogen. Schätzungen zufolge könnten sich die Gesamtschäden über alle betroffenen Nutzer auf mehr als 1.300 BTC belaufen, also auf über 80 Mio. US-Dollar. Worum es bei der Entropie geht Die Sicherheit von Bitcoin-Schlüsseln hängt im Kern von Zufälligkeit ab. Beim Erzeugen einer Seed-Phrase muss eine Wallet echte Entropie nutzen – also Unvorhersehbarkeit, die private Schlüssel praktisch unerratbar macht. Als Industriestandard gelten 128 Bit Entropie: ein Suchraum, dessen Brute-Force-Durchlauf selbst mit enormer Rechenleistung länger als das Alter des Universums dauern würde. Genau dieses Versprechen unterlief Coldcard mit Firmware 4.0.1. Anstelle des dedizierten Hardware-RNG, der Zufall aus physikalischem Rauschen (elektrischem Rauschen) gewinnt, fiel die Seed-Erzeugung auf einen softwarebasierten PRNG zurück. Die effektive Entropie sank bei Mk3-Modellen auf etwa 40 Bit. Bei Mk4, Mk5 und Q lag sie bei rund 72 Bit. Beide Werte liegen deutlich unter dem 128-Bit-Ziel. 40 Bit Entropie entsprechen grob einer Billion möglicher Kombinationen. Das klingt groß, ist für moderne Systeme aber klein genug, um den Suchraum in Stunden statt in Jahrhunderten zu durchsuchen. Ablauf des Angriffs und Folgen Die koordinierten Abflüsse setzten am 31. Juli 2026 gegen 03:31 Uhr ein. Ein Fernzugriff auf Geräte war nicht nötig, ebenso wenig Phishing oder Malware. Die Täter nutzten die mathematische Schwäche der Seed-Generierung, arbeiteten den reduzierten Schlüsselraum systematisch ab und rekonstruierten so private Schlüssel. Ein einzelner Sweep traf demnach etwa 500 Wallets und zog rund 594 BTC in weniger als einer halben Stunde ab. Tempo und Präzision deuten darauf hin, dass die Angreifer zuvor einen großen Bestand potenziell verwundbarer Seeds vorab berechnet hatten, um anschließend die Transfers gleichzeitig auszuführen. Coinkite, das Unternehmen hinter Coldcard, stellte eine gepatchte Firmware bereit, um den Fehler zu beheben. Damit sind allerdings Seeds, die bereits mit zu geringer Entropie erzeugt wurden, nicht automatisch sicher. Nutzer, die Wallets mit betroffenen Firmware-Versionen eingerichtet haben, müssen neue Seed-Phrases mit sicheren Methoden erzeugen und ihre Bestände migrieren. Coinkite empfahl ausdrücklich physische Würfelwürfe, um bei der Neu-Erzeugung eine hohe Entropie sicherzustellen. Zudem warnte das Unternehmen davor, neue Seeds auf ungepatchten Geräten zu generieren. Debatte um Self-Custody flammt erneut auf Der Vorfall hat eine der ältesten Krypto-Diskussionen neu entfacht: Ist Selbstverwahrung (Self-Custody) tatsächlich sicherer als die Verwahrung bei einer Börse? Viele Betroffene verlagerten ihre verbleibenden Bitcoin unmittelbar auf Exchanges. Bemerkenswert ist, dass es sich nicht um einen hochkomplexen Zero-Day oder einen staatlichen Angriff handelte, sondern um einen Regression-Bug aus einem Firmware-Update. Dass die Schwachstelle von März 2021 bis Mitte 2026 unentdeckt blieb, wirft Fragen zur Audit- und Testpraxis bei Coinkite – und darüber hinaus in der gesamten Hardware-Wallet-Branche – auf.