Krypto-Liquidationen in 24 Stunden bei 967 Mio. US-Dollar – Long-Positionen dominieren

Am Kryptomarkt sind binnen eines Tages Positionen im Wert von fast einer Milliarde US-Dollar zwangsweise glattgestellt worden. Daten von CoinGlass zufolge summierten sich die Liquidationen im Derivatehandel in den vergangenen 24 Stunden auf 967 Mio. US-Dollar. Den Löwenanteil traf es auf der Long-Seite: Rund 849 Mio. US-Dollar beziehungsweise etwa 88% entfielen auf Trader, die auf steigende Kurse gesetzt hatten. Der Rest betraf Short-Positionen. Ethereum an der Spitze der Liquidationen Überraschend führte Ethereum die Rangliste an: Bei ETH wurden Positionen im Umfang von 309 Mio. US-Dollar liquidiert. Bitcoin folgte mit rund 246 Mio. US-Dollar. Damit fiel der Druck bei ETH stärker aus als bei BTC, obwohl üblicherweise Bitcoin solche Ereignisse dominiert. Bitcoin notierte zu diesem Zeitpunkt bei etwa 109.200 US-Dollar und lag damit auf Wochensicht mehr als 6% im Minus. Der Rückgang folgte auf einen Einbruch auf 112.000 US-Dollar zuvor in derselben Woche – es war damit bereits der zweite deutliche Long-Squeeze innerhalb weniger Tage. Deleveraging als "Reset" Nicht alle werten eine Liquidationswelle dieser Größenordnung ausschließlich negativ. Der Onchain-Analyseanbieter Glassnode sieht in solchen Enthebelungsphasen eine Chance, die Marktpositionierung zu bereinigen und das unmittelbare Risiko weiterer Kaskaden zu senken. Bedeutung für Anleger Auffällig ist die starke Konzentration auf der Long-Seite. Wenn 88% der Liquidationen aus einer Richtung kommen, zeigt das, wie überfüllt das bullische Lager zuvor war. Die breite Verfügbarkeit von Hebelprodukten auf Krypto-Börsen – viele bieten 50x, 100x oder noch höhere Multiplikatoren – macht solche Liquidationskaskaden zu einem strukturellen Merkmal des Marktes. Im Fokus steht nun, ob sich das Open Interest, also der Gesamtwert ausstehender Derivatekontrakte, schnell wieder aufbaut oder gedämpft bleibt. Ein rascher Wiederanstieg würde signalisieren, dass Trader erneut mit Hebel in den Markt gehen und damit die Voraussetzungen für den nächsten Squeeze schaffen. Eine langsamere Erholung würde eher Glassnodes These stützen, wonach die Enthebelung zu einer gesünderen Marktstruktur geführt hat.