Circle-Zahlen Q2 2026: Umsatz unter Erwartungen, USDC-Umlauf sinkt zum Quartalsende
KI-Marktzusammenfassung
Circles Umsatz und Reserveerträge im Q2 GJ2026 (701 Mio. $) verfehlten die Erwartungen, während der Nettogewinn sie übertraf, was die anhaltende Abhängigkeit von Reserveerträgen unterstreicht. Das durchschnittliche USDC-Angebot stieg, aber der Umlauf zum Quartalsende fiel (ca. 4,8 % QoQ) und der Marktanteil sank, was auf marginale Abflüsse hindeutet. Ausgleichende Faktoren sind eine angehobene Prognose für "sonstige Erträge" im Zusammenhang mit der Erfassung der ARC-Presale-Umsätze, Pläne für den Arc-Mainnet-Launch mit großen TradFi-Validatoren, rasches Wachstum des CPN-Volumens sowie neue Genehmigungen für U.S.-Trusts.
Einflussstufe
● Hoch
Betroffene Assets
NCSKCRCL2USD/USDT-0.63%
AI-Einblick · NCSKCRCL2USD/USDTAI-Einblick
● Neutral
Jetzt traden
⚠️ Die von AI generierten Einblicke basieren auf Nachrichteninhalten und dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Sie stellen weder eine Anlageberatung dar noch geben sie die Ansichten von BingX wieder. Investitionen sind mit Risiken verbunden. Bitte trade verantwortungsbewusst.
Circle hat vor US-Börsenstart am 5. August (Pekinger Zeit) die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt. Der Stablecoin-Emittent meldete Gesamtumsatz inklusive Reserveerträgen von 701 Mio. US-Dollar und blieb damit unter der Markterwartung von 717 Mio. US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 7%. Das bereinigte EBITDA stieg um 8% auf 143 Mio. US-Dollar. Der Nettogewinn aus fortgeführten Aktivitäten lag bei 48 Mio. US-Dollar und damit über dem Konsens von 43 Mio. US-Dollar.
Die Aktie (Ticker: CRCL) reagierte vorbörslich zunächst mit einem Sprung, gab anschließend aber nach. Um 20:45 Uhr notierte sie vorbörslich bei 61,55 US-Dollar, ein Minus von 2,84%.
Umsatztrend dreht nach Rückgang wieder nach oben
Im Mittelpunkt steht, dass Circle beim Umsatz zwar die Erwartungen verfehlte, die Sequenz aber wieder stabiler wirkt. Der Quartalswert von 701 Mio. US-Dollar markiert nach dem Rücksetzer im Vorquartal eine leichte Erholung. In der längerfristigen Reihe ergibt sich: 579 Mio. → 658 Mio. → 740 Mio. → 770 Mio. → 694 Mio. → 701 Mio. US-Dollar.
Reserveerträge bleiben mit großem Abstand der Haupttreiber
Die Erlösstruktur bleibt stark zinssensitiv: Reserve Income belief sich im zweiten Quartal auf 668 Mio. US-Dollar, 5% mehr als vor einem Jahr und 2% mehr als im Vorquartal.
USDC: Durchschnitt steigt, Quartalsendbestand fällt deutlich
Der Zuwachs der Reserveerträge wurde vor allem durch die höhere USDC-Zirkulation getragen. Gleichzeitig zeigt sich im Quartalsverlauf eine Divergenz: Der Durchschnittsbestand stieg, der Bestand zum Quartalsende schrumpfte.
Laut Bericht lag der durchschnittlich ausstehende USDC-Bestand im zweiten Quartal bei 76,5 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 25% gegenüber dem Vorjahr und rund 2% gegenüber dem Vorquartal (75,2 Mrd. US-Dollar). Zum Quartalsende lag der ausstehende Bestand bei 73,3 Mrd. US-Dollar. Das sind zwar 19% mehr als vor einem Jahr, aber etwa 4,8% weniger als der Quartalsendwert des Vorquartals (77,0 Mrd. US-Dollar). Das spricht für spürbare Abflüsse zum Quartalsende, auch wenn der Gesamttrend weiterhin auf Expansion hindeutet.
Auch beim Marktanteil gibt es keine Entlastung: USDC kam zum Quartalsende auf 27% Marktanteil bei USD-Stablecoins, 66 Basispunkte weniger als vor einem Jahr. Trotz rückläufiger Gesamtsupply in der Branche konnte USDC damit keinen Anteil gewinnen.
Sonstige Erlöse schwächer, Jahresausblick wegen ARC deutlich angehoben
Abseits der Reserveerträge lagen die sonstigen Erlöse im Quartal bei 34 Mio. US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 41% gegenüber dem Vorjahr, aber einem Rückgang von 19% gegenüber dem Vorquartal. Damit endete eine Serie von fünf Quartalen mit sequenziellem Wachstum (21 Mio. → 24 Mio. → 29 Mio. → 37 Mio. → 42 Mio. → 34 Mio. US-Dollar).
Auffällig ist die stark angehobene Prognose für sonstige Erlöse im Geschäftsjahr 2026: Circle erhöhte die Spanne von zuvor 150 Mio. bis 170 Mio. US-Dollar auf 310 Mio. bis 330 Mio. US-Dollar. Das Unternehmen betonte, dass diese Guidance anerkannte Erlöse aus dem ARC-Token-Presale umfasst. Bereits im Q1-Call hatte Circle erläutert, dass ARC-Token nach Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Presale-Vertrag zum Fair Value als "sonstige Erträge" erfasst werden und damit RLDC sowie das bereinigte EBITDA direkt beeinflussen.
Damit dürfte die Position "sonstige Erträge" in den kommenden Quartalen deutlich erhöht ausfallen. Gleichzeitig handelt es sich dabei eher um einen einmaligen bilanziellen Effekt als um nachhaltig wiederkehrende Erlöse aus Abos oder Services. Die Entwicklung der operativen "sonstigen" Umsätze ohne ARC bleibt damit ein zentraler Beobachtungspunkt.
RLDC-Marge bleibt robust, Distribution-Kosten eng geführt
Das widerstandsfähigste Profitabilitätsmaß war erneut RLDC (Revenue minus Distribution Costs), also der Ertrag nach Abzug der Distributionskosten. Circle meldete für Q2 einen RLDC von 289 Mio. US-Dollar, 15% mehr als vor einem Jahr. Die RLDC-Marge lag bei 41%, 302 Basispunkte höher als im Vorjahr und unverändert gegenüber dem Vorquartal. Über die letzten fünf Quartale zeigt sich ein stabiler Aufwärtstrend (38% → 39% → 40% → 41% → 41%).
Trotz Gegenwind durch niedrigere Reserve-Renditen infolge der Fed-Zinssenkung hielt Circle die Marge vor allem über Kostenkontrolle: Distribution- und Transaktionskosten lagen bei 410 Mio. US-Dollar, nur 1% über Vorjahr und damit deutlich unter dem Wachstum der Reserveerträge.
Auch hier hob das Management die Jahresprognose an: Die RLDC-Marge für das Gesamtjahr 2026 wird nun bei 41,7% bis 43,7% gesehen (zuvor 38% bis 40%). Auch diese Anpassung umfasst die ARC-Presale-Erlöserfassung und trägt damit einen nicht wiederkehrenden Charakter.
Kostenbild: Distribution bleibt größte Position, mehr Investitionen in Entwicklung
Auf der Kostenseite bleiben Distribution und Transaktionen mit 410 Mio. US-Dollar die größte Position. Der Anstieg lag bei 1% gegenüber Vorjahr und auch sequenziell blieb das Wachstum bei rund 1%.
Die GAAP-basierten operativen Aufwendungen beliefen sich auf 254 Mio. US-Dollar und lagen 56% unter dem Vorjahr. Das ist vor allem ein Basiseffekt: Im Vorjahresquartal waren im Zuge des IPO außergewöhnlich hohe aktienbasierte Vergütungen von 435 Mio. US-Dollar angefallen.
Aussagekräftiger sind die bereinigten operativen Aufwendungen: Sie stiegen um 23% auf 146 Mio. US-Dollar. Circle verweist auf fortgesetzte Investitionen in Produktentwicklung, Infrastruktur und KI. Im Detail stiegen die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen auf 66,3 Mio. US-Dollar, IT-Infrastrukturkosten auf 16,4 Mio. US-Dollar, Abschreibungen und Amortisationen erhöhten sich auf 29,9 Mio. US-Dollar und lagen damit mehr als doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Das passt zu Initiativen rund um Arc, Agent Stack und CPN.
Operative Fortschritte: Plattformstrategie gewinnt Substanz
Neben den Kennzahlen liefert der Bericht mehrere operative Meilensteine.
Arc kurz vor Mainnet-Start: Circle nennt den 16. September als Launch-Termin für das Arc-Mainnet. Als anfängliche Validatoren werden unter anderem BlackRock, DTCC, Galaxy, Visa, Mastercard und die Standard Chartered Bank genannt. Zudem soll BlackRocks tokenisierter Geldmarktfonds BUIDL auf Arc ausgerollt werden, während DTCC die Tokenisierung von bei DTC gehaltenen Assets auf Arc unterstützen will. Damit rückt Arc von der reinen Roadmap-Diskussion näher an eine Einbindung klassischer Finanzakteure.
CPN wächst schnell: Beim Circle Payments Network (CPN) stieg das annualisierte Transaktionsvolumen der letzten 30 Tage zum Quartalsende auf 14,7 Mrd. US-Dollar. Im ersten Quartal waren es 8,3 Mrd. US-Dollar, was einem Plus von rund 76% entspricht. Die Zahl der angebundenen Finanzinstitute wuchs sequenziell von 136 auf 175 (+29%). Der direkte Umsatzbeitrag gilt bislang als begrenzt, die Kennzahlen deuten aber auf steigende Netzwerkeffekte.
Regulatorische Fortschritte in den USA: Circle erhielt die Genehmigung des Office of the Comptroller of the Currency (OCC) zur Gründung von Circle National Trust und zählt damit zu den ersten Stablecoin-Emittenten mit US-bundesweiter Trust-Bank-Charter. Parallel genehmigte das New York State Department of Financial Services (NYDFS) den Antrag zur Gründung von Circle New York Trust. Für Circle, das Compliance als Kernvorteil positioniert, stärken beide Lizenzen die Verankerung im US-Finanzsystem und schaffen zusätzliche Basis für Verwahrung, Zahlungsverkehr und institutionelle Finanzdienstleistungen.
Löst der Bericht die Bewertungsdebatte an der Wall Street?
Im Vorfeld hatten Analysten Circle sehr unterschiedlich eingeordnet. Am 3. August stufte Morgan Stanley das Papier von "Equal Weight" auf "Underweight" ab und senkte das Kursziel von 106 auf 38 US-Dollar. TD Cowen startete die Beobachtung mit "Buy" und einem Kursziel von 82 US-Dollar. Hinter den divergierenden Calls steht die Frage, ob Circles langfristiger Wert primär aus USDC selbst oder aus einer digitalen Finanzinfrastruktur rund um USDC entsteht.
Die Q2-Zahlen liefern Argumente für beide Sichtweisen. Morgan Stanleys Kritikpunkte bleiben teilweise bestehen: Der USDC-Bestand fiel zum Quartalsende gegenüber dem Vorquartal, der Marktanteil verbesserte sich nicht, und der Umsatz hängt weiterhin stark an Reserveerträgen. Der stark erhöhte Ausblick bei sonstigen Erlösen wird zudem vor allem durch die Erfassung des ARC-Presale-Effekts getragen, nicht durch bereits klar sichtbares, nachhaltiges Wachstum in Payments, API- oder RWA-Geschäften. Kurzfristig bleibt die Profitabilität damit eng an USDC-Wachstum und das Zinsumfeld gekoppelt.
Gleichzeitig stützen neue operative Signale die bullishe Plattform-These: Der Arc-Mainnet-Start ist terminiert, große Finanzakteure sind als Validatoren und Nutzer angekündigt, CPN expandiert schnell, und die bundesweite Trust-Bank-Charter ist gesichert. Noch sind diese Bausteine nicht die dominanten Umsatztreiber, sie stärken aber die Plattformstrategie.
Unterm Strich ist die klarste Botschaft dieses Quartals: Circle entwickelt sich konsequent in Richtung eines plattformorientierten Modells. Ob daraus in den kommenden Quartalen nachhaltig wiederkehrende, nicht zinsabhängige Erlöse entstehen und damit das Bewertungsnarrativ einer digitalen Finanzinfrastruktur untermauert wird, bleibt offen.