SEC kippt Pattern-Day-Trading-Regel – Inkrafttreten im Juni 2026
Ein Vierteljahrhundert lang galt die Pattern-Day-Trading-Regel als faktische Zugangsschranke für aktives Trading in Margin-Konten: Wer innerhalb von fünf Handelstagen vier oder mehr Daytrades (Roundtrips) ausführen wollte, musste mindestens 25.000 US-Dollar Eigenkapital im Konto nachweisen. Diese Hürde fällt nun.
Die US-Börsenaufsicht SEC hat am 14. April 2026 Änderungen an der FINRA-Regel 4210 genehmigt und die Einstufung als "pattern day trader" vollständig abgeschafft. Das neue Regelwerk tritt am 4. Juni 2026 in Kraft; die Umsetzung in den Brokerhäusern soll schrittweise erfolgen und voraussichtlich bis 2027 laufen.
An der Wall Street kam die Entscheidung sofort an: Die Aktie von Robinhood sprang um rund 7,61% auf 85,11 US-Dollar, Webull legte um 9% zu.
Was sich konkret ändert
Die ursprüngliche PDT-Regel entstand nach dem Dotcom-Crash 2001. Damals wollten Aufseher Privatanleger vor den Risiken hochvolatiler Technologiewerte schützen – mit einer einfachen Logik: Wer sich Verluste von 25.000 US-Dollar nicht leisten kann, sollte kein Daytrading auf Kredit betreiben. Nach der alten Mechanik mussten Broker Konten mit weniger als 25.000 US-Dollar sperren, wenn innerhalb von fünf Geschäftstagen vier oder mehr Roundtrip-Trades anfielen – typischerweise für 90 Tage.
Der FINRA-Vorstoß (SRFINRA2025017) ersetzt dieses starre Zählsystem durch einen grundlegend anderen Ansatz. Broker-Dealer müssen Daytrades nicht länger erfassen und keine Sonder-Marginanforderungen allein wegen hoher Handelsfrequenz durchsetzen. Stattdessen rückt eine Echtzeit-Risikobewertung in den Mittelpunkt.
In der Praxis ist das ein Einschnitt: Auch mit einem Konto von 5.000 US-Dollar können Anleger in einem Margin-Konto künftig beliebig viele Daytrades ausführen, solange das Risikomanagement des Brokers die Aktivität nicht als problematisch einstuft. Die 25.000-US-Dollar-Schwelle, die viele kleinere Depots ausgebremst hat, entfällt.
Warum Broker die Änderung feiern
Robinhood und Webull verlangen zwar keine Orderprovisionen, verdienen aber über Payment for Order Flow, Marginkredite und Premium-Abos. Mehr aktive Trader und mehr Transaktionen erhöhen die Erlöse in all diesen Bereichen. Die Kursreaktionen – knapp 8% bei Robinhood, 9% bei Webull – spiegeln genau diese Erwartung.
Bedeutung für Anleger
Mit dem Wechsel zur Echtzeit-Risikoprüfung verlagert sich viel Verantwortung auf die Broker-Dealer. Wo früher eine einfache Checkliste galt (Trades zählen, Kontostand prüfen, Konto markieren), braucht es nun belastbare Systeme zur laufenden Überwachung und Steuerung von Risiken. Einige Anbieter dürften eigene Leitplanken einziehen, die faktisch an die alte PDT-Logik erinnern. Andere, vor allem im Wettbewerb um Retail-Kunden, könnten weniger restriktiv vorgehen.
Der regulatorische Rahmen erlaubt damit deutlich mehr Spielraum. Durch die stufenweise Einführung bis 2027 ist nicht mit einem abrupten Schnitt zu rechnen, sondern mit einer graduellen Umstellung im Markt.