Coinbase prüft Stablecoin-Vorstoss mit Stripe, Visa und Mastercard – Druck auf Circle's USDC steigt
Coinbase könnte sich strategisch neu positionieren: Laut einem CoinDesk-Bericht prüft Coinbase Global, ob das Unternehmen einer auf Zahlungen ausgerichteten Stablecoin-Infrastruktur beitritt, die gemeinsam mit Stripe, Visa und Mastercard entwickelt wird. Ein solches Netzwerk könnte ausserhalb des USDC-Ökosystems operieren oder Zahlungsströme von Circle weg verlagern.
Die Nachricht setzte die Kurse unter Druck. Circle-Aktien gaben kurz nach Handelsstart am Dienstag um bis zu 4% nach, Coinbase verlor im Tagesverlauf rund 1,4%. Visa und Mastercard rutschten am Morgen ebenfalls um mehr als 2% ab.
Zusätzlicher Gegenwind kam aus dem Kryptomarkt: Bitcoin notierte bei etwa 66.800 US-Dollar nach einem Rückgang von rund 2,8% innerhalb von 24 Stunden, war intraday zeitweise in Richtung 65.000 US-Dollar gefallen. In den Kryptomärkten wurden zudem Liquidationen im Umfang von rund 1,8 Mrd. US-Dollar verzeichnet.
Auch bei Privatanlegern verschlechterte sich die Stimmung. Daten von Stocktwits zeigten in den vergangenen 24 Stunden ein bearishes Sentiment für Circle und Coinbase. Die Aktivität nahm deutlich zu: Erwähnungen von Circle stiegen binnen 24 Stunden um etwa 40%; über den vergangenen Monat legte das Nachrichtenvolumen sowohl bei Circle als auch bei Coinbase um mehr als 150% zu. Bei den Kartennetzwerken fiel das Bild gemischt aus: Visa tendierte bearish, Mastercard drehte von zuvor bullish auf „extrem bullish“.
Für Circle ist das Thema besonders sensibel, da das Geschäft eng mit USDC verknüpft ist. In Unternehmensunterlagen, auf die sich der Bericht bezieht, wird das Reserveeinkommen als zentraler Ertragstreiber genannt: Circle erzielte 2025 demnach rund 2,64 Mrd. US-Dollar Umsatz aus Erträgen auf Vermögenswerte, die USDC absichern.
Coinbase und Circle sind seit 2023 über ein Revenue-Sharing-Modell verbunden: Coinbase behält sämtliche Zinserträge auf USDC, die auf der eigenen Börse gehalten werden, und teilt die Erlöse mit Circle zu gleichen Teilen bei USDC, der ausserhalb der Börse im Umlauf ist. Coinbase-CEO Brian Armstrong sagte Investoren im Q1-Earnings-Call, diese Verträge seien „bereits in Kraft“ gewesen, und man erwarte, die Beziehung zu unveränderten Konditionen fortzusetzen.
Der CoinDesk-Bericht nährt dennoch die Spekulation, dass Coinbase vor den anstehenden Gesprächen mehr Verhandlungsspielraum gewinnen könnte. Hintergrund ist eine mögliche Vertragsverlängerung, die im August erwartet wird – und die Option, sich vorab an eine alternative Stablecoin-Plattform anzubinden.
Worauf der Markt jetzt achtet: eine formale Beteiligung oder Unterstützung von Coinbase für die neue, zahlungsorientierte Stablecoin-Infrastruktur; mögliche Anpassungen der USDC-Erlösteilung bei der Verlängerung später in diesem Jahr; sowie eine mögliche Verlagerung von Zahlungs- und Kapitalflüssen weg von USDC hin zu einem neuen Netzwerk grosser Zahlungsdienstleister – mit Folgen für den Wettbewerb bei Stablecoins und die Zahlungsabwicklung.
Unterm Strich: Eine von der Payment-Industrie getragene Stablecoin-Initiative, bei der Coinbase eine Teilnahme prüft, könnte zu einem neuen Konkurrenten für Circle's USDC-Geschäft werden und hat bereits kurzfristig für Unruhe gesorgt. Die tatsächliche Wirkung hängt von verbindlichen Zusagen und dem Verlauf der anstehenden Vertragsverlängerung ab.