Bitcoin rutscht unter 62.000 US-Dollar – nächster Halt womöglich bei 55.000

Bitcoin hat laut CoinDesk in dieser Woche vier Tage in Folge nachgegeben und ist von knapp 74.000 US-Dollar auf ein Tagestief von 61.556 US-Dollar am Donnerstag gefallen. Die Bewegung belastete den gesamten Kryptomarkt. Im selben Zeitraum summierten sich die Liquidationen am Markt auf 4,47 Mrd. US-Dollar, davon entfielen 3,82 Mrd. US-Dollar auf Long-Positionen. Das deutet darauf hin, dass der Rückgang vor allem stark gehebelte bullische Positionierungen getroffen hat. Auch der Derivatemarkt liefert schwache Signale. Neben anhaltenden ETF-Abflüssen und zunehmenden geopolitischen Spannungen verweist CoinGlass darauf, dass der Coinbase-Premium seit Ende April überwiegend negativ ist und sich nach dem 26. Mai weiter ausgeweitet hat. Das gilt als Hinweis auf eine nachlassende US-Nachfrage und fehlende Anzeichen einer spürbaren Rückkehr institutioneller Käufe. Daten von Deribit zeigen zudem, dass der 30-Tage-25-Delta-Skew bei Bitcoin von 4,2 auf 9,4 gefallen ist. Diese Veränderung wird als steigende Bereitschaft interpretiert, für Absicherung nach unten einen Aufschlag zu zahlen – die Nachfrage nach Put-Optionen nimmt zu. Velo meldet gleichzeitig einen Rückgang des Open Interest von 282.000 BTC auf 265.000 BTC seit Juni; auch die kumulierte Volumendifferenz zwischen Spot und Perpetuals schwächt sich ab. Aus Sicht ausländischer Medien spricht das für sinkenden Kaufdruck bei gleichzeitig zunehmenden neuen Short-Positionen. Die Marke von 60.000 US-Dollar gilt als kurzfristiger Wendepunkt. Illia Otychenko, Chefanalyst bei CEX.IO, sieht als Hauptauslöser der Verkaufswelle steigende geopolitische Risiken. Nach erneuten Spannungen zwischen den USA und Iran habe sich die Risk-off-Stimmung verstärkt, während Teile des spekulativen Kapitals weiterhin eher in KI-Aktien als in Kryptoanlagen flössen. Er betonte zudem, dass vor der Beschleunigung der Abwärtsbewegung die Kostenbasis kurzfristiger Bitcoin-Halter unter den realen Durchschnittspreis gefallen sei. Ein solcher Schnittpunkt habe in der Vergangenheit häufig in der Mitte von Bärenmärkten gelegen; jüngere Käufer seien damit im Schnitt im Minus, was den Markt anfälliger für passiven Verkaufsdruck mache. Otychenko hält es für möglich, dass Bitcoin bei Fortsetzung historischer Muster unter 60.000 US-Dollar rutscht. Bei einem Bruch dieser Schwelle liege der nächste wichtige Referenzbereich bei rund 54.000 US-Dollar, nahe dem Realized Price. Gleichzeitig habe das von Langfrist-Haltern gehaltene Angebot in dieser Woche ein neues Hoch erreicht – ein Muster, das oft in Bärenmärkten zu beobachten ist. Daraus leitet er ab, dass sich ein Boden über die nächsten drei bis sechs Monate herausbilden könnte. Auch Robin Singh, CEO von Koinly, bezeichnete die aktuelle Phase als schwach. Sollte der Kurs zunächst über 60.000 US-Dollar verharren und danach erneut nachgeben, wäre ein Rückgang in den Bereich um 50.000 US-Dollar aus seiner Sicht nicht überraschend. Dort könnte sich eine neue potenzielle Bodenbildungszone entwickeln. Der Bericht verweist zugleich darauf, dass nicht alle Institutionen pessimistisch sind. Geoffrey Kendrick, Analyst bei Standard Chartered, vertritt eine eher konträre Sicht: Zieht der Kaufdruck deutlich an, sobald der Verkaufsdruck nachlässt, könne das auf ein zwischenzeitliches Tief hindeuten. Ein zentrales Argument: Die ETF-Bestände seien seit Februar relativ stabil geblieben und nur leicht von 682.000 BTC auf 674.000 BTC gesunken – ein geringerer Rückgang als zuvor befürchtet. Auf dem Prognosemarkt Myriad setzen Nutzer derzeit eher darauf, dass Bitcoin zuerst 55.000 US-Dollar erreicht, statt auf 84.000 US-Dollar zu steigen. Das unterstreicht die kurzfristig vorsichtige Stimmung.